Bandiera
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 Streiks in Italien


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Der Streik ("sciopero", gesprochen "Schoppero") ist elementarer Bestandteil des italienischen Alltags, denn in Italien wird eigentlich immer irgendwo irgendwofür oder irgendwogegen gestreikt. Manche Streiks sind lokal begrenzt, andere gleich landesweit, gerne auch mal als Generalstreik. Manche sind politisch motiviert, es kann aber auch um die Sicherheit, schlicht um das liebe Geld oder ganz andere Interessen gehen.
 
Streiken können die Lokführer, die Schaffner, die Tankwarte, auch mal nur die Tankwarte der Autobahntankstellen, die Piloten, das Flugpersonal ("Brötchenstreik" - es gibt nichts zu essen an Bord), die Fluglotsen, die Arbeiter, die Angestellten, die Behörden, die Gondolieri in Venedig, die U-Bahnfahrer in Rom, der gesamte öffentliche Nahverkehr, das Fernsehpersonal der RAI während einer WM-Übertragung und so weiter und so fort.
 
Gerne wird das auch gestaffelt gemacht: etwa heute die Piloten, morgen die Flugbegleiter und übermorgen die Fluglotsen. So verliert jeder nur einen Tageslohn bzw. belastet damit die Gewerkschaftskasse, der Effekt ist dennoch erheblich.
 
Man hat das Gefühl, jeder darf einmal - und jeder tut es auch. Aber nicht nur einmal im Jahr. Der einzige, der nie streikt, ganz im Gegenteil, ist der Papst. Aber der ist ja kein Italiener und wohnt genau genommen nicht in Italien, sondern in (s)einem eigenen Staat.
 
Italien ist aber gut darauf eingerichtet: man ist daran gewöhnt, daß immer irgendetwas nicht funktioniert, das ist quasi der Normalzustand. Natürlich finden die Betroffenen das trotzdem nicht alle wirklich komisch. Vielleicht sind aber sie die nächsten, die streiken...
 
Da so oft gestreikt wird, ist der Streik natürlich nur sehr begrenzt wirksam zur Durchsetzung der Interessen. Also muß man wieder streiken. So dreht man sich fröhlich im Kreis.
 
Damit nun nicht alles restlos drunter und drüber geht, müssen die großen Streiks vorher, teilweise lange vorher, angekündigt werden und gewisse Abstände einhalten. So könnte der Kunde dann entsprechend disponieren. Damit das liebenswerte Chaos aber erhalten bleibt, finden angekündigte Streiks manchmal einfach nicht statt oder es wird wild (weiter-)gestreikt. Das wird dann aber anderenorts irgendwann spontan ausgeglichen.
 
Mit etwas Glück erlebt man einen Streik des Mautpersonals auf der Autobahn - dann ist nämlich (maut)freie Fahrt.
 
Das einzige, was wirklich katastrophal wäre, wäre ein Streik der "baristi", also des Barpersonals. Das gäbe vermutlich Volksaufstände, denn der "caffè" gehört zu Italien, wie das Baguette zu Frankreich. Aber das ist eigenlich ein eigenes Thema.
 
Wie man im Dezember 2007 sehen konnte, kann ein Streik der Lkw-Fahrer nahezu das Land zum Erliegen bringen. Lkws blockierten Grenzübergänge und die für die Versorgung Siziliens und Sardiniens wichtigen Fährhäfen. Im ganzen Land ging das Benzin aus, die Mehrzahl der Tankstellen mussten mangels Versorgung schließen, frische Lebensmittel wurden ebenso knapp wie teuer. Kein Horrorszenario, sondern Realität in Italien am Ende des Jahres 2007. Links zu aktuellen Meldungen finden Sie im folgenden Absatz.
 
Ein Tip für den nächsten Urlaub: damit Sie es nicht kalt erwischt sehen sie vorher in den Italien-News, in dem offiziellen Streikkalender des Transportministeriums (leider nur in italienischer Sprache), bei den Automobilclubs sowie auf Streikradar.de nach. Eine vollständige und zuverlässige Aufstellung werden Sie aber nirgends finden.




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