|
Trotz zunehmender Härten wie Hartz IV, immer noch hoher Arbeitslosigkeit und "Ein Euro"-Jobs: von Italien aus betrachtet ist Deutschland immer noch eine Hochburg der sozialen Sicherheit und Unterstützung durch den Staat. In Italien klafft die Schere zwischen Arm und Reich weiter, prozentual gelten weit mehr Kinder als arm (25% zu 14% nach EUStat ECHP).
|
|
|
|
Ein staatliches System zur Absicherung gegen soziale Not ist in Italien kaum existent, es muß gegebenenfalls die Familie einspringen. Hier eine kurze Zusammenfassung:
|
|
|
- Wer mindestens zwei Jahre durchgehend mit festem Arbeitsvertrag beschäftigt war, bekommt max. sechs Monate max. 30% Arbeitslosengeld vom Staat
- (Großkonzerne bieten gelegentlich bessere Lösungen für Entlassungen im großen Stil an)
- Krankheit/Krankenversicherung: alle Italiener sind automatisch krankenversichert, unabhängig von einem Arbeitsverhältnis oder festem Einkommen
- Zahnarztkosten: sind in Italien nicht durch Krankenversicherung abgedeckt
- Wohngeld: gibt es in Italien nicht
- Sozialhilfe / Hartz IV: gibt es in Italien praktisch nicht, aber diverse Hilfen für Arme
- Sozialwohnungen: gibt es in Italien viel zu wenige
- Unterstützung vom Arbeitsamt bei der Jobsuche: gibt es in Italien praktisch nicht (man sagt allerdings: in Deutschland auch nicht)
- Berufsberatung beim Arbeitsamt: gibt es in Italien nicht
- Weiterbildung / Umschulung finanziert durchs Arbeitsamt: gibt es in Italien nicht
|
|
|
|
Daher bleibt dem dauerhaft arbeitslosen Italiener praktisch nur noch die Schwarzarbeit (natürlich völlig ohne soziale Absicherung) und die Unterstützung durch die Familie, die in Italien traditionell sehr hoch gehalten wird. Als letzte Hilfe springt eventuell noch die Kirche via Caritas ein.
|
|
|
|
Natürlich ist der Staat nicht völlig herzlos, er bietet diverse Hilfen und Unterstützungen an, die aber zumeist nicht den aus Deutschland gewohnten Umfang erreichen:
|
- Unterstützung und Erleichterungen für Ältere (Contributi e agevolazioni per gli anziani)
- Hilfen bei Armut (Povertà)
- Familiengeld (Assegno familiare)
- Mutterschaftsgeld (Assegno di maternità)
- Eine Übersicht gibt es auf den Seiten für den Italienischen Bürger
|
|
|
|
Zur Lage auf dem Wohnungsmarkt: "Es gibt ein Recht auf Wohnung. Wenn man wirklich arm ist, ist die Besetzung einer Unterkunft keine Straftat" entschied der Oberste Gerichtshof Italiens (Kassationsgericht) am 26.9.2007 bezüglich der Verurteilung einer Besetzerin einer Sozialwohnung "Casa poplare" (Bericht bei der "Jungen Presse"). Viele Italiener wohnen sogar noch als verheiratetes Paar bei den Eltern, weil nicht ausreichend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Auch hier sind Beziehungen eine große Hilfe.
|
|
|
|
Im armen Süditalien, wo vielerorts Massenarbeitslosigkeit herrscht, helfen noch andere Organisationen aus der Misere: die Mafia in allen ihren Spielarten bietet vielen ein Auskommen, sorgt aber natürlich dafür, dass die Situation nicht grundsätzlich angegangen wird.
|
|
|
|
Auch das Ergattern einer Arbeitsstelle mit festem gehalt gelingt oft nur durch Beziehungen. Besonders begehrt sind nach wie vor die sicheren Stellen beim Staat, wie man an den hohen Bewerberzahlen bei den jährlichen Ausschreibungen sehen kann.
|
|
|
|
Der Lichtblick: mit 65 Jahren gibt es in Italien Rente für jeden Italiener, auch wenn er nie eingezahlt hat - dann allerdings nur die Mindestrente. Die meisten gehen allerdings schon viel früher in Rente, da vierzig Berufsjahre für den Eintritt in den Ruhestand ausreichen.
|
|
|
|
Der zweite Lichtblick: die Lebenserwartung in Italien ist höher als in Deutschland!
|
|
|
|
Stand: November 2007. Quellen: Tagesschau.de und andere
|
|
|