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Bandiera
Bandiera
 

Reisebericht Badeurlaub in der Versilia mit Ausflügen Mai 2002


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Versilia im Mai

Die Versilia ist der nördliche Teil der toscanischen Küste, sie grenzt im Norden an Ligurien und geht im Süden in die Maremma über. Im Gegensatz zur Adria ist hier die Dichte an einheimischen Feriengästen hoch, die Speisenkarten sind nur ausnahmsweise in Deutsch. Italienischkenntnisse sind hilfreich und die Gegend ist keine wirklich billige Urlaubsregion. Natürlich gibt es da Unterschiede, so sind Forte dei Marmi und Viareggio teurer als die kleineren Orte wie etwa Lido di Camaiore, unser Ziel. Hinter dem breiten Sandstrand liegt ein Küstenstreifen von bis zu etwa 10 km Breite, danach ragen die apuanischen Alpen steil empor.

Lido di Camaiore  Lido di Camaiore  Lido di Camaiore


Lido di Camaiore liegt zentral für viele Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten in Nord und Süd. Die kleine, einfache (**) "Albergo Verbena" hatte ich bereits mehrfach besucht, sie liegt zwei Minuten zu Fuß vom Strand an einer leider nicht gänzlich verkehrsarmen Kreuzung (die wird man aber wohl in der ganzen Gegend vergeblich suchen). Dafür passen auf den Parkplatz nur Kleinwagen und die Gastgeber sprechen nur Italienisch. Kurz: uns gefällt es hier.

Samstag

So zogen wir (Anke, 6, und der Papa) also an einem grauen Frühlingstag im Allgäu los. Es sollte über den Lago Maggiore gehen, als "Pfadfinderei" für den Sommer, außerdem kenne ich die Brennerstrecke nun langsam auswendig. Wir fuhren also die A96, durch den Pfändertunnel, in Richtung Schweiz, durch den San Bernardino-Tunnel nach Locarno. Leider war hier das Wetter noch weniger attraktiv als daheim: strömender Regen bei 11°C. So hatten wir uns diesen Teil der Alpensüdseite eigentlich nicht vorgestellt und verließen ihn möglichst schnell wieder. Es ging nun am Westufer des Lago Maggiore (Gardaseefeeling) nach Italien, dann auf die Autobahn Richtung Genua. Bei Vercelli dachten wir zunächst an Überschwemmung: Wasser von Horizont zu Horizont. Bei genauerer Betrachtung stellte sich aber heraus, daß es sich um unendliche Reisfelder handelte.

Auf der Autobahn durch Genua zu fahren ist gewöhnungsbedürftig: man fährt abwechselnd durch Tunnel und hautnah an Gärten und Balkons vorbei. Die Anwohner könnten auf der Standspur (wenn es sie denn durchgehend gäbe) einen Drive-in-Betrieb aufmachen! Andere scheint diese Perspektive plus der gelegentliche Blick aufs Meer noch stärker abgelenkt zu haben: am Rand stand ein zerknüllter Reisebus.

Als dann Anke nach Wurfgegenständen suchte, wenn die Standardantwort "Nur noch eine halbe Stunde" kam, waren wir auch schon da und bezogen unser Quartier. Jetzt bei über 20°C und Sonne schnell ans Meer! Die geschlossene Front der Bagni (Strandbäder) war noch durchlässig, in der Saison muß man einen freien Zugang zum Meer schon suchen, die Plätzchen ohne Liegstuhlzwang sind dann rar.

Strandbar SirenaAm Straßenrand dufteten die Jasminhecken, der Cappuccino schmeckte in der Strandbar "Sirena" nochmal so gut, die Geschäfte öffneten Samstag Nachmittag ab vier wieder, kurz: Urlaubsstimmung in bell'Italia! Schnell noch die notwendigsten Einkäufe erledigt, beim freundlichen Gemüsehändler schräg gegenüber die letzten noch fehlenden italienischen Euromünzen besorgt und dann wieder ans Wasser. Leider war es zum Baden noch zu kalt.

Sonntag

Nun wieder etwas Autofahren: die Marmorbrüche von Carrara besuche ich nur Sonntags, da ich keine Lust habe, mich auf den einspurigen Zufahrten mit schwerstbeladenen, bergabfahrenden LKW anzulegen. Wir nahmen die Landstraße durch Massa und bewunderten die dortige Orangenbaumallee und (kurz) den Dom. Oben in den Bergen, die schon von der Autobahn aus schneebedeckt aussehen, es aber nicht sind (weißer Marmor), wartete auf uns das "cava museo" mit den Zeugnissen jahrhundertelangen Marmorabbaus. Anke fand besonders eindrucksvoll das lebensgroße Marmorochsengespann vor dem Wagen. Hier gibt es auch Marmor-Mitbringsel von schön bis kitschig zu deutlich geringeren Preisen, als für die gleichen Gegenstände in den touristischen Hochburgen verlangt wird.

Carrara - Apuanische Alpen  Marmorfelsen  Carrara - Marmormuseum  Brücke bei den Marmorsteinbrüchen

Das alte Carrara selbst ist schön italienisch mit engen winkligen Sträßchen am Hang. Die Zufahrt ist dafür umso breiter und auch nur mäßig attraktiv. Den Nachmittag verbrachten wir wieder in der extra großen Sandkiste mit Wasserspülung.

Montag

Auch heute wollte ich wieder etwas von der Toscana sehen: wir fuhren über Landsträßchen nach Lucca, parkten auf dem großen kostenlosen und immer vollen Parkplatz vor der Porta S. Donato, da dort ein Kinderspielplatz direkt hinter der Stadtmauer liegt. Ideal, wenn sich Kinder nach der Autofahrt austoben wollen. Lucca bella, oft besucht, geliebt und immer wieder von neuem Wert, aufgesucht zu werden. Der "torre di guinigi" kostet mittlerweile 3,10 € Eintritt, dafür waren wir oben alleine. Irgendwann möchte ich auch so einen kleinen Dachgarten in Lucca haben, wie man sie von dort sehen kann! Die passeggiata auf der Stadtmauer wurde von Anke relativ kurz gehalten, jedoch sind wir noch kreuz und quer durch die wunderschöne Stadt gezogen. Cappuccino und Cola (Kinderbenzin) steigern das Wohlbefinden noch. Mein nächster Aufenthalt hier wird aber länger und ohne Kinder sein!

Nach Lucca  Piaggio - Werksportal


Nach Lucca wollten wir das Vespamuseum (Museo Piaggio) beim Werk in Pontedera besuchen. Auf dem Weg liegt Pisa, wir konnten uns davon überzeugen, daß der schiefe Turm nun wieder ohne "Hosenträger" dasteht und bestiegen werden kann. Die Menschenmassen haben wir uns allerdings erspart und sind nur kurz auf der "piazza dei miracoli" geblieben. Sogar Anke mit ihren 6 Jahren war ja nun schon ein paarmal dort.

Leider war das Vespamuseum heute geschlossen! Als Trost gab es an der Strecke dafür einen McD, so daß meine kleine Beifahrerin wieder versöhnt war. Am örtlichen Coop konnte ich meinen Vorrat an Illy-Espressopulver für zu Hause wieder aufstocken. Dieses auch in der Heimat unverzichtbare Getränk ist hier "an der Quelle" immerhin knapp 2 Euro pro Dose billiger.

Dienstag

StrandkrabbeGenug Auto gefahren! Heut ist Strandtag! Dieses Motto war so gut wie das Wetter, man konnte kurz ins Wasser. Dort haben wir Krabben gefangen, in selbstgegrabenen Aquarien gesetzt und Muscheln dabei zugesehen, wie sie sich mit Hilfe ihres Fußes ruck-zuck in den Sand eingraben. Ein sehr freundlicher Muschelfischer schenkte Anke viele leere Schalen, auch Schneckenhäuser und erzählte uns von seiner Tochter, die in Baden-Württemberg studiert hatte. Wenn man ein wenig Italienisch spricht, lernt man oft sehr nette und interessante Menschen kennen.

So ein Strandtag hat den Vorteil, daß man endlich mal zum Lesen kommt (wenn die Tochter einen läßt). "Cryptonomicon" von Neal Stephenson ist sehr spannend und sehr dick, genau die richtige Urlaubslektüre.


Mittwoch

Heute sollte bei Piaggio wieder geöffnet sein, also fuhren wir hin. Anke ahnte noch nicht, daß wir heute trotz brütender Hitze fast 400 km vor uns hatten. Abwechselnd Schiebedach und Klimaanlage sowie der bekannte McD bei Pontedera hielten bei Laune. Da Anke gerne auf meiner Vespa mitfährt (und, da noch vorne sitzend, auch gerne selbst Gas gibt) war sie sehr gespannt auf das Museum. Außen stehen zunächst ein Flugzeug und ein Eisenbahn-Triebwagen, dann aber kommen doch noch die Zweiräder. Eintritt ist frei, drinnen wurden wir aber sehr schnell von einem Aufseher angehalten, der wissen wollte, ob wir einen Fotoapparat dabei hätten. Hatten wir natürlich, ich war aber ob dieses Empfangs im Zweifel, ob Fotografieren hier erlaubt sei, sprich, ob ich das zugeben sollte. Er leitete uns dann in einen normalerweise nicht zugänglichen Nebenraum, wo Anke auf einer LKW-großen Vespa zum Fototermin platznehmen durfte. Hier gab es auch noch diverse andere Kunstwerke zu bewundern: einige Vespen mit Gras bewachsen, in Kuhfell gekleidet und mit Schauben und Muttern überzogen. Auch die reguläre Austellung mit den Oldtimern, dem Feuerwehrdreirad Ape mit Sattelauflieger, der Beiwagenvespa und vielen anderen Sondermodellen bis hin zum Tragschrauber ist sehenswert! Zum Abschluß durften wir dann noch einen Kalender mitnehmen.

  

Pontedera - Vespamuseum  Riesenvespa   Feuerwehrdreirad

Tragschrauber   Vespa  Vespa


Nach diesem Museumsbesuch wollte ich weiter nach Süden, eine kleine Rundreise an viele bereits besuchte Orte, mit dem Höhepunkt San Galgano, der Kirchenruine, die ich noch nicht in Natura gesehen hatte. Auf dem Weg dorthin sahen wir Monteriggioni und Siena, das wir aber im letzten Jahr schon ausführlich besucht hatten und daher dort diesmal nicht aussteigen wollten.

San Galgano liegt mitten in der "Pampa" zwischen Siena und dem Meer. Diese Kirchenruine mit Kloster war leer, eine italienische Schulklasse mußte draußen in der sengenden Sonne bleiben und das Bauwerk zeichnen. Wir hatten das imposante Kirchenschiff für uns und konnten viele Eindrücke und Fotos mitnehmen.

San Galgano  San Galgano   San Galgano  San Galgano


Die Strecke von San Galgano nach Follonica ans Meer ist eine Genußstrecke wie im Chianti: Laubwälder und viele Kurven, ideal für Motorradfahrer. Allerdings fuhren wir hier durch meine erste italienische Radarfalle, zum Glück galt sie der Gegenrichtung. Wir wurden zuerst blinkend vom Gegenverkehr gewarnt, dann stand irgendwann ein Polizeipanda zum Kassieren am Rand und dann, nach dem nächsten Dorf kam die Messstelle. Das unauffällige Auto stand hinter einem Gebüsch, nach einer langen, schnurgeraden Gefällestrecke an einem 50-Schild nahe des Dorfeingangs. Die Lichtschranke wird ins Fenster gehängt und macht sich bei dem italienischen Fahrstil und den gesalzenen Strafen bestimmt an einem Tag bezahlt.

In Follonica bogen wir bei 28°C auf die Aurelia (SS1) Richtung Norden ab. Wir kamen an San Vincenzo vorbei (dort waren wir beide vor zwei Jahren) und trafen auf der Schnellstraße auf die nächste Radarfalle, diesmal galt sie uns. Nach zwanzig Jahren Italien die ersten beiden Radarfallen an einem Tag! Wer allerdings an einem auf der Standspur stehenden Polizeiwagen zu schnell vorbeifährt, hat es nicht besser verdient. Hier werden sie nicht viel eingenommen haben.

Südlich von Livorno hat man dann wunderbare Sicht auf die felsige Steilküste und das Meer, die Straße ist eng und befahren - also Zeit zum Genießen. Livorno habe ich bisher nur umfahren, heute wollten wir es nicht anders halten, denn die ortsansässige Industrie stinkt schlimmer als die heimatlichen Odelwiesen.

Donnerstag

Nach dieser Autoorgie war wieder ein Strandtag fällig. Es war fast schon zu warm dafür, Liegestühle mit Schirm sind aber deftig teuer. Das Meer war zum Schwimmen nach wie vor nicht warm genug, kurz erfrischen war das höchste der Gefühle. So haben wir wieder viel Sand gebuddelt, Schiffe beobachtet, Muscheln und Krabben gefangen, Cappuccino geschl..., naja getrunken, und gelesen. Am Strand lagen lauter kleine blaue, vertrocknende Quallen, die allerdings auch dann nicht brannten, wenn mal eine übersehen hatte und draufgetreten war.

La griglia del mareAbends gingen wir dann wieder ins "La griglia del mare", das sich zu unserem Stammlokal entwickelt hatte. Zwar nicht billig, aber gut erreichbar und sehr, sehr lecker. Es wurde überwiegend von Ortsansässigen besucht, was ich als gutes Zeichen betrachtete. Auch hier mußte ich nach einem Pastagang die bistecca (fiorentina) probieren, aber ich denke, ich bin nun geheilt. Bistecca fiorentina heißt nämlich immer, ein außen fast verkohltes und innen rohes Stück Rindfleisch mit Knochen, einem T-bone-Steak entsprechend. Früher nannte man es "carbone" (Holzkohle), aber das war wohl zu entlarvend.

Andere Sachen waren leckerer, so Risotto, diverse Paste und erst recht der Schwertfisch (pesce spada), den auch Anke ausgezeichnet fand. Wir hatten einen Stammplatz neben dem Kühltisch, auf dem man sich den Fisch, die Meeresfrüchte und die noch lebenden Hummer selbst aussuchen konnte. Sehr interessant für Kinder. Wer weniger Geld ausgeben möchte, kann hier aber auch ausgezeichnete Pizze essen.

Gewonnen hatte das Lokal natürlich endgültig, als zu meinem caffè ein Kindercaffè (Milchschaum) kam. Wir wurden zudem im Laufe der Tage überreichlich mit stets unberechneten (!) Kostproben verwöhnt: Erdbeeren und Kuchen als Nachspeise für Anke, Scampi in Öl/Zitrone, Polpapatate (warmer Kartoffelsalat mit Tintenfisch), Chiantiprobe, Moscato-Dessertwein, Ramazotti, Sardellen in Öl und Nußschokoladentorte.

Freitag

Heute wollte ich Anke die Cinque Terre zeigen. Mit Tim war ich vor Jahren schon einmal die schmale Straße von La Spezia oberhalb der Dörfer ("terre") gefahren, aber nicht in eines der Dörfer selbst gekommen. Diesmal fuhren wir Autobahn nach La Spezia, von dort nach Manarola und genossen auf dem Weg die wunderbare Aussicht auf die Steilküste und das Meer. Mit Tim hatte ich damals das Einlaufen des italienischen Segelschulschiffs "Amerigo Vespucci" in den Militärhafen von La Spezia erlebt, diemal war uns das nicht vergönnt.

Cinque Terre  Amerigo Vespucci in La Spezia


Manarola ist vom (natürlich kostenpflichtigen) Parkplatz aus gut zu Fuß zu erreichen und sehr malerisch über das türkise Meer an den Fels geklebt. Leider ist es auch in der Hitze des Spätvormittags touristisch total überlaufen. Besonders komisch empfanden wir die japanische Knipswut, die sogar dazu führt, daß Leute (auch eigentlich unbeteiligte "Opfer") regelrecht in Position dirigiert werden. Italienisch mit japanischem Akzent ist auch eine eigene Erfahrung. Dafür konnten wir eine sehr spezielle Technik bewundern, ein Boot ins alte Hafenbecken zu befördern.

Wenn man fotografieren will, sollte man (wie eigentlich immer im sonnigen Italien) morgens oder abends da sein, dann ist es auch leerer, die Farben werden besser und es gibt interessantere Motive.

Manarola  Manarola   Manarola

Manarola   Manarola  Manarola


Ein längerer Besuch der Cinque Terre ist unbedingt empfehlenswert. Man sollte dann mit dem Zug von Dorf zu Dorf fahren und die vielen Wanderwege nutzen, auch wenn sie bereits in Reiseführern als überfüllt beschrieben werden.

Nachdem das Meer zurück in Lido di Camaiore schlagartig Badewannentemperatur erreicht hatte, konnten wir uns am Nachmittag noch ausgiebig ins Wasser stürzen. Die Quallen konnten wir umschwimmen, da sie heute wie kleine blaue Segelschiffe an der Oberfläche trieben.

Blaue Qualle

Samstag

Schnief: die Woche ist schon wieder rum. Sehr schade! Es hilft aber nichts: Heimfahrt via La Spezia, Mantova, Brescia, Brenner. Gewaltige Staus vor La Spezia in Richtung Meer. Daheim im Allgäu dann wieder Gewitter und relative Kühle. Man sollte doch einmal ernsthaft über das Auswandern nachdenken!


Meine Buchempfehlungen für einen Besuch dieser Gegend:

(Bitte Bilder anklicken für Informationen)

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