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Venedig im Karneval und die Villen der Riviera del Brenta Am Sonntag fuhren wir (Anke, Tim und der Papa) via Brenner nach Mira an die Riviera del Brenta, kurz vor Venedig. Das war eine gute Entscheidung, denn Samstag hatte es 250 km Stau auf Bayerns Autobahnen und am Montag schneite es nördlich der Alpen 25 cm, der Verkehr brach daheim zusammen. Nun gut, den Ferienanfangsverkehr hatte ich eingeplant, das Wetter, ich geb's ja zu, war Zufall.Unser Quartier gehört zu einer der Villen der Riviera del Brenta. Kleine, neue Häuschen, gelegen im Rest des Parks der Villa Olanda. Dank des netter Empfangs mit Obstkorb und gut geheiztem Apartement fühlten wir uns gleich wohl. ![]() Nach den fünf Stunden Fahrt ließen wir das Auto stehen und zogen noch ein wenig zu Fuß durch den Ort, die wichtigsten Dinge auszukundschaften (wo ist die Bar, wo gehen wir essen, wo fährt der Bus nach Venedig, wo sind die Villen; in dieser Reihenfolge). Am Montag ging es dann nach dem obligatorischen Frühstück in der Bar nach Venedig. Mira liegt an der Buslinie Padova - Venezia, die alle halbe Stunde verkehrt und einen in 25 Minuten auf die Piazzale Roma bringt (€ 12,30 für 3 Personen retour. Tip: Tickets kann man in Italien nicht im Bus kaufen, ein Kiosk oder Tabacco muß hierfür bemüht werden). Daß die Haltestelle in Mira "porte" heißt, sollte man wissen, da man auf dem Rückweg entweder Einheimische im Bus fragen muß, oder mit "trial and error" den Bus in der Nähe des Ziels an allen Haltestellen anhalten läßt und aus der Tür schaut. Aus den Fenstern sieht man in dieser Jahreszeit abends leider nix (mehr). In Venedig auf der Piazzale Roma angekommen nötigte ich meine Lieben dann dazu, den Markusplatz zu Fuß zu suchen, wir wollten ja Maskierte sehen. Mittels eine gemeinen Tricks (man kann sich ja wohl trotz der vielen Markierungen "San Marco" mal verlaufen) sah ich dann noch ein wenig mehr von Venedig, als die Kinder vorgehabt hatten. Entschädigt wurden sie mit einer Traghettofahrt (Gondel zur Überquerung des Canal grande). Der Mitfahrende, der partout nicht den sicheren Pfosten loslassen wollte, fiel dann beim Ablegen noch um Haaresbreite ins Wasser. Das Vergnügen war umsonst, die Überfahrt dagegen kostete 1,20€: billiger kann man zu dritt nicht mit der Gondel unterwegs sein. 2001 haben wir dafür noch 2500 Lire bezahlt, es gibt sogar hier Dinge, die nicht teuerer werden!![]() Bereits unterwegs begegneten wir den ersten Maskierten; auf dem Markusplatz und der Piazetta kam dann die Sonne raus - und es waren jede Menge fein gewandete und maskierte Herrschaften unterwegs. Alle gemessenen Schritts, da ja alle drei Meter ein Rudel Fotografen Fotos schießen wollte. Vom Touri bis zu Profi, so viele Knipskisten und Profiapparate zusammen auf engstem Raume gibt es selten zu sehen. ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Nachdem die beiden schließlich auch noch maskiert herumsausten, galt der Urlaub schon jetzt als vollständig gelungen. Sie beschlossen, daß wir im kommenden Jahr (natürlich mit vervollständigter "Ausrüstung") wiederkommen werden. ![]() Den Rest des Tages verbrachten wir mit Bootfahren in und um Venedig; am Lido ist fast direkt am Anleger eine Bar mit der Möglichkeit, sich mittels Toilette und heißer Getränke wieder zu restaurieren. Nun noch auf die Strandseite zu latschen, kam aber keinesfalls mehr in Frage - im Gegenteil, das nächste Vaporetto kam in Sicht und schon ging die Rundfahrt weiter. Wir mußten ja auch noch für Ankes beste Freundin die Haltestelle "S. Elena" fotografieren. ![]() Noch eine kleine Anmerkung: in fast allen Bars und Restaurants, die wir in Italien sahen, ist mittlerweile Rauchverbot. Das fanden wir sehr angenehm, auch wenn die "Süddeutsche" deswegen Katastrophenstimmung verbreitete, Italien sei ja eine einzige Raucherhöhle, solche Verbote seien nicht durchsetzbar. Freunde, da liegt ihr daneben: die Raucher gehen mal kurz raus, gerne auch in Gruppen. Am Dienstag hätten wir gerne den Rest des Carnevale erlebt, aber auf dem Weg zur Frühstücksbar und Bushaltestelle stand fest: bei waagerechtem Schneetreiben werden wir dem ursprünglichen Gedanken des Urlaubs näher treten und im Quartier der Ruhe pflegen. Das Fernsehen berichtete dann, daß der Karnevalsumzug in Viareggio wetterbedingt abgesagt wurde und zeigte lustige Bilder aus Venedig: Leute auf der Jagd nach Hüten, umgestülpte Schirme und Kostüme unter Plastikfolie, das ganze im Schneetreiben. Wir hatten es wärmer. Ansonsten ist das italienische Fernsehen und die durch es offenbarten Dinge vielleicht ein Grund, vom Auswandern Abstand zu nehmen. Das Niveau deutscher Privatsender im Quadrat, dazu ständig Laufschriften wie: "in Mailand ist ein Sack Reis umgefallen. Berlusconi: das wird wieder, keine Panik" und ähnliches. Berlusconi ist omnipräsent und kommentiert alles, väterlich, fast wie ein König in alten Zeiten. Da wird einem erst bewußt, wie sehr sich hier in Italien unter dieser Regierung alles verschoben hat. Gerhard Schröder einen "Medienkanzler" zu nennen, wirkt aus Italien herübergesehen lächerlich. Er müßte die Privatsender kaufen und die öffentlichen Programme vollständig unter seine Kontrolle bekommen. Und natürlich passende Gesetze erlassen. Und kritische Stimmen zum, aber genug der Abschweifung! Der Mittwoch brachte wieder besseres Wetter, leichten Nebel, aber es blieb trocken. Also schleunigst mit dem Bus nach Venezia und, wie kann es anders sein, aufs Boot. Die Linien 41/42 haben hintern kleine offene Abteile, wo man vor Fahrtwind geschützt im Freien sein kann, denn ich hatte den Kindern die Glasinsel Murano versprochen. ![]() Auf Murano wollten wir natürlich ins Glasmuseum, was ebenso natürlich Mittwochs geschlossen hat. Daraufhin wollten wir eine arbeitende Glasbläserei sehen. Offenbar ist man darauf aber nicht eingerichtet, daß da ein paar Leute kommen, die bei der Arbeit zusehen wollen. Wir holten uns ein paar Abfuhren, bis wir den freundlichen Hinweis auf eine Manufaktur bekamen, die "eventuell" zu besichtigen sei. Das Tor dieser Produktionsstätte stand zur Mittagszeit offen, trotz des großen Verbotschilds also hinein (die beiden kleinen Feiglinge blieben lieber noch draußen) und frech gefragt. Bei der Antwort traute ich meinen Italienischkenntnissen nicht mehr: "naturalmente", die Werkhalle sei dort hinten, ist doch keine Absage, oder? Also schnell den Kindern gewinkt und zur Halle geschlichen. Dort stießen wir auf einen in jeder Hinsicht warmen Empfang, im Sommer muß es brutal sein, dort zu arbeiten. Wir durften uns alles ansehen und fotografieren, die Kinder bekamen ein paar Stücke geschenkt und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. ![]() Jetzt wissen sie auch was eine Manufaktur ist und warum die so heißt. Nichts wird von Maschinen gemacht. Man muß als Besucher allerdings höllisch aufpassen, daß man weder den Öfen zu nahe kommt, noch im Weg steht, wenn gerade einer im Laufschritt, eine Blase rotglühenden Glases vor sich hertragend, zur nächsten Station stürmt. Es war sehr interessant und wir sagen noch einmal "Mille grazie!" Beim Weg nach draußen war das Tor verschlossen und ließ sich ohne Schlüssel nur von innen mit einem Summer öffnen. Jetzt kam niemand mehr herein - Schwein muß das Schaf haben! Wir hatten schon die Sonne kommen sehen und sahen uns so nun noch ein wenig in Murano um. Hier ein paar Impressionen: ![]() ![]() Mit dem Boot ging es dann, Inselrundfahrt inbegriffen, zurück nach Venedig. Dort wollte ich mir noch La Fenice, das berühmten Opernhaus ansehen und Anke mußte auf dem Markusplatz ausprobieren, ob sie es sich wirklich traut, sich Tauben auf den Arm fliegen zu lassen. ![]() Der Campanile war schön leer, so gönnten wir uns auch die Aussicht von oben. Am immer noch eingerüsteten Glockenturm kann man wohl nur von hier aus das Glockenspiel sehen. Und die berühmten Pferde gegenüber auf der Balustrade werden wir uns einmal genau im Museum ansehen. Von hier oben sieht die Friedhofsinsel aus, wie ein Waldstreifen zwischen Venedig und Murano.Man kann schön sehen, wie die Inseln zueinander liegen. ![]() Am Donnerstag war das Wetter wieder weniger schön, wir wolllten, na gut, ich wollte die Villen der Riviera del Brenta sehen. So fuhren wir zur Abwechslung wieder mit dem eigenen Auto einkaufen (Illy-Cafè kostet im Co-op vom Mira 4,88€, nicht 7,99€ wie daheim, der schöne Fisch und das viele Gemüse, ein Traum) und sahen noch etwas von der Umgebung. Leider liegen die Villen zumeist an der stark befahrenen Staatsstraße Venedig - Padova und man tut sich etwas schwer, dort heil anzuhalten und ungestört von der anderen Straßenseite ohne LKW im Vordergrund zu fotografieren. Reingehen, ansehen, pfft - Kunstbanausen an Bord! Daher hier nur einige wenige Impressionen aus Mira. ![]() ![]() Nachmittags machte sich dann die Erkältung fiebrig bemerkbar, die Tim eingeschleppt hatte. Wir waren etwas groggy, hatten aber sicherheitshalber kein Thermometer dabei. Offene Boote auf der Lagune bei wenigen Grad über Null waren wohl doch nicht die richtige Medizin. Unser Zustand paßte zu dieser Woche, die in Presse und Fernsehen unter "settimana di maltempo" (Woche des Unwetters) lief. Am Freitag ging es dann zunächst im Regen heimwärts. Die Appelle auf den Autobahnsignalbrücken "Bei Regen 110" und "Langsamer fahren bei Nebel und es hat jetzt Nebel" wurden von allen beherzt ignoriert, denn das war nun wirklich höchstens Dunst. Und wenn die Autobahn schon "Serenissima" heißt, fährt man schon von allein beschwingt!Schnee lag fast runter bis Verona, oben am Brenner war die Straße matschig. Nun gut, hier bin ich auch schon mal Anfang Oktober mit Sommerreifen in 30cm Neuschnee herumgerodelt, das ist auch irgendwie gegangen. Immerhin hatten wir auch heute kaum Verkehr und kamen 1a durch. Und in Scharnitz darf man endlich 50 fahren, aber das Radarmülltonnenhäuschen, von dem wir immer noch nicht wissen, ob es nicht bloß eine Attrappe ist, steht noch. Daheim wurden wir von viel mehr Schnee, einer wirklichen Saukälte und einer noch viel kränkeren Mutter empfangen. Die Kinder konnten Sie aufbauen mit: "Da, vor San Marco, wo dir mal so schlecht geworden ist, hatten wir noch viel größere Wellen - und das hat uns gar nichts ausgemacht!" (stimmt, seefest ist die Bande) und "Wir wollen am liebsten gleich wieder zurück!" Dem ist nichts hinzuzufügen, wir werden wiederkommen! |
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