Bandiera
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Reisebericht Venedig Ende Oktober 2001


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Ein Tag in Venedig - auf dem Wasser

Von unserem Kurzurlaubsquartier Winnebach im Südtiroler Teil der Dolomiten fuhren wir (Anke, 6, Tim, 9 und der Papa) mit dem Auto via Toblach, Cortina d'Ampezzo und Treviso nach Venedig. In zweidreiviertel Stunden problemlos machbar, die LKWs durch die engen Alpentäler bis zur Autobahn sind allerdings arg lästig.

Wenn Sie das auch mal machen wollen, sollten Sie allerdings vorher eine Lebensversicherung abschließen: einige Einheimische hatten es so eilig, daß in den engen Tälern ohne Sicht vor Kurven, aber mindestens mit Schallgeschwindigkeit, ganze Kolonnen überholt werden mußten. Auch sehr beliebt: wenn der Gegenverkehr bergauf zwei Spuren hat, die dann auch benutzt werden, kann man doch locker trotzdem bergab überholen. Es hat aber immer gerade noch gepaßt - wer bremst verliert ...

Irgendwie fahren "die Italiener" trotzdem genial – Unfälle scheinen die diesem Stil nicht gewachsenen Touristen zu verursachen. Trotzdem nicht wirklich zur Nachahmung empfohlen.

Auf den Internetseiten (wofür macht man sie!) vorher schlau gemacht, beschlossen wir nun, das Parkhaus Tronchetto anzulaufen, da uns dasjenige auf der Piazzale Roma mit 36.000 Lire für einen Tag zu teuer erschien. Nun ja, Tronchetto ist wirklich billiger, lediglich 33.000 Lire pro Tag! Stundenweise abrechnen ist nicht.

Da wir nun viel Geld gespart hatten, konnten wir dies in eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel investieren. Es kostet für die Familie ja auch nur 45.000 Lire, fast geschenkt. Eine Woche nach der Heimkehr meldete dann die Süddeutsche Zeitung, daß Venedig nun mit der VeniceCard ein verbilligtes System für öffentliche Verkehrsmittel und Museen eingeführt hat, daß man übers Internet buchen kann. Das werden wir irgendwann mal ausprobieren.

Immerhin haben wir im Internet auch noch rausbekommen, daß nicht mit Hochwasser (siehe dort unter Previsione maree) gerechnet werden muß. Die Stege waren dann zwar da, aber auch überall schön zur Seite geräumt.

Aber nun ging es los, mit dem Vaporetto (eine Art Bus zu Wasser) der Linie 82 zum Markusplatz. Die Kinder wollten natürlich außen herum um die Stadt fahren, um die großen Schiffe im Hafen zu sehen. Einige wenige waren sogar da und aus dem Vaporetto erscheinen sie beeindruckend groß, auch aus Entfernung. Zum Glück ging etwas Wind, so daß die lieben Kleinen auch etwas Wellengang geboten bekamen. Seefest waren sie immerhin – Fischefüttern war nicht angesagt.

Leider konnte aber auch dieser Wind den Nebel nicht vertreiben. Er hielt uns aber wenigstens die Stadt von den ganz großen Menschenmassen frei, das letzte Mal war es hier deutlich voller, nun gut, im Sommer.

Im Laufe der Zeit wurde wenigstens Dunst aus dem Morgennebel, so daß die Sicht doch weiter reichte, als zunächst befürchtet.

Und dann, wow, es ist immer wieder beeindruckend, aus Richtung Giudecca/San Giorgio Maggiore mit dem Boot auf den Dogenpalast/Markusplatz zu zu fahren, Dunst hin, Nebel her. Man sollte sich Venedig stets zu Wasser nähern!

bei Sonne  bei Dunst

An den ganzen vor dem Dogenpalast geparkten Gondeln vorbei ging es nun zu Fuß zum Markusplatz. Kinder und Kultur? OK, wir sind dann doch lieber Tauben jagen gegangen – und davon sind nun wirklich genug vorhanden. Aber Erzählungen über die Seufzerbrücke und die Bleikammern wurden dennoch gerne gehört und ebenso die Lifemusik vor dem Cafe Quadri.

Seufzerbrücke  Markusbasilika

Der Campanile war wenig besucht, aber es trieb uns bei diesen Sichtbedingungen nicht unbedingt so weit nach oben. Venedig werden wir in jedem Falle wieder sehen!

Der Uhrenturm war immer noch eingerüstet, wie schon zwei Jahre zuvor. Das allerdings mit Stil, die Verkleidung zeigt den nach der Renovierung zu erwartenden Anblick des Bauwerks.

Nun fuhren wir mit der 1 ab San Marco zur Piazzale Roma. Bedingung war ein Vaporetto mit offenem Vordeck – die Kinder wollten unbedingt vorne und im Freien sitzen. Das gelang uns gut – so gut, daß es mit der Zeit etwas kühl wurde. Also auf dem Rückweg beim Ca' Rezzonico ausgestiegen und mit dem Traghetto für 1000 Lire die Person (Anke nur 500 – der Gondoliere: "una mezza persona", ist das die deutsche "halbe Portion"?) übersetzen lassen. Wir hatten die kleine Gondel für uns und konnten so schön gemütlich im Sitzen den Canal Grande überqueren. Die nächste "Bus-"Haltestelle war nicht weit, aber mit ein paar Umwegen war uns wieder warm.

Mit dem Hinweis auf die knurrenden Mägen ließen sich die lieben Kleinen bei der nächsten Ankunft an der Haltestelle Zaccharia erneut an Land nötigen. Durch Pizza auf die Hand (der McD war so gesteckt voll, daß dieser Kelch an mir vorüberging) erschien ein kurzer Rundgang durch das Viertel San Marco weniger erschreckend. Und da gibt es ja auch so allerlei zu sehen: ein Schaufenster mit einem ganzen Mini-mini-Orchester plus Ballett aus Murano-Glas, umgeben von diversen Tieren in allen Farben und Größen; Gondeln, in den sich Japaner durch die engen Seitenkanäle fahren lassen, mit Ziehharmonika und Gesang; sowie Wasserstraßen im Sinne des Wortes und viele romantisch vergammelte Häuser.

Venezianische Gondel  Seitenstrasse

Gerne hätte ich auch den Fortschritt beim Wiederaufbau von La Fenice, dem berühmten Opernhaus gesehen, aber wir waren ja zum Bootfahren hier.

Es gibt ja nun auch andere "Buslinien" als die 1 und 82. Leider erlaubten diese nicht, vorne draußen zu sitzen und so schieden sie auf dringenden Wunsch der Kinder aus. Schade, einige Abstecher in die Reviere abseits des Canal Grande wären auch interessant gewesen. Das nächste Mal fahren wir aber auch durchs Arsenal und bei schönem Wetter mal an den Lido. Man kann nicht alles an einem Tag haben...

Es ist direkt erstaunlich anzusehen, was man so alles aufs Wasser zwingen kann: den Paketdienst DHL (das einzige Boot, das topgepflegt war), Bagger, Kräne, den Tiefkühldienst Bofrost, mindestens fünf (5!) Arten Polizei, Krankenboote, Betonlastwagen, Getränkedienste usw. etc.

Wenn man die typische Sirene eines italienischen Krankenwagens hört, sollte man hoffen, nicht gerade mit einer Gondel oder Traghetto unterwegs zu sein: "Sankas" sind die einzigen, die wirklich schnell fahren - und dabei ordentlich Wellen machen.

Interessant fanden wir auch die verschiedenen Fahrstile der "Busfahrer" in den Vaporetti. Der eine war mal so abgelenkt, daß er glatt den Haltestellenponton rammte, anstatt ihn so wie sonst, beim Anlegen nur zu streifen.

Standard sind aber immerhin mehr oder weniger rauhe Anlegemanöver, peinlich besonders, wenn der Gehilfe das Tau nicht rechtzeitig festmachen kann und so das Vaporetto vor vollem Publikum nochmal zurücksetzen muß. Die ganzen Anlagen inklusive Schiff sind nicht ohne Grund ziemlich rustikal gebaut.

Für kleine und große Kinder ein durchaus zu empfehlender Zeitvertreib, so ein Tag auf dem Wasser.

Rialtobrücke  Canale Grande , gesehen von Rialto

Relativ früh setzte dann die Dämmerung ein, in den Palazzi gingen Lichter an und gewährten uns so einige Einblicke auf prachtvolle Holz- und Stuckdecken. Leider wurde es aber nicht wärmer auf dem Wasser und so ließen sich die Kinder nach einer letzten großen Runde doch noch zur Rückfahrt überreden. Praktischerweise sind am Parkhaus Tronchetto Toiletten und ein paar Büsche, die aber offensichtlich intensiv genutzt werden.

Arrivederci Venezia!

Nach dem, wie wir später hörten, permanenten, Stau auf der Autobahn A4 ging es den gleichen Weg zurück. Diesmal war weniger Verkehr, im Dunklen kann man besser abschätzen, ob Gegenverkehr kommt – die Strecke Tronchetto – Winnebach läßt sich auch in zwei Stunden 20 Minuten fahren. Jedenfalls, solange die Polizei so entgegenkommend ist, nicht zu blitzen. Irgendwie färbt der Fahrstil in Italien jedesmal auf mich ab ...

Reisetips
  • Prüfen Sie, ob Hochwasser (siehe dort unter Previsione maree) zu erwarten ist
  • Fahren Sie mal ohne Kinder, die Großeltern werden sich freuen
  • Bleiben Sie länger als einen Tag
  • Gehen Sie davon aus, daß es teuer wird, mit der richtigen Grundeinstellung macht's mehr Spaß
  • Öffentliche Toiletten sind nur spärlich vorhanden
  • Fahren Sie spätestens in Österreich wieder das vorgeschriebene Tempo, dort wird wirklich kontrolliert
  • Linienverkehr per Schiff besteht auch nach Punta Sabbioni (Cavallino, Jesolo)
  • Günstige Hotels in Venedig finden Sie mit dem unabhängigen Hotelpreisvergleich von trivago
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Meine Buchempfehlungen für einen Besuch dieser Gegend:

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