Bandiera
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Reisebericht Rom September 2002


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Der dritte Tag

Ein prüfender Blick aus dem Hotelzimmer offenbarte die Strafe für die vielen lästerlichen Bemerkungen des Vortags: es regnete.

Also zogen wir nach dem obligaten Frühstück an der Bar nebenan die Jacken an und fuhren mit der U-Bahn bis San Giovanni um dort in den Bus 218 zu den Katakomben zu steigen.

Zumindest hatten wir das vor, aber der Bus kam und kam nicht. Binnen einer Stunde kannten wir alle Buslinien auf diesem vielbefahrenen Platz auswendig, nur die 218 schien nicht dazuzugehören. Ein Nachfrage beim Infopavillion brachte uns nur die Erkenntnis, daß wir nicht die einzigen waren, denen nicht geholfen werden konnte.

San Giovanni in Laterano hatte ich bisher nur von außen gesehen, so wurde Tim ein weiterer Kirchenbesuch verordnet. Gläubiger wurden wir beide allerdings nicht dadurch. Zur Bushaltestelle zurückkehrt standen dort immer noch ein paar Leute, die wir vom Sehen bereits kannten.

Da der Regen nun aufgehört hatte und die Tickets bereits abgelaufen waren, latschten wir zu Fuß zu den Caracalla-Thermen. Zur Besichtigung dieses riesigen Geländes kann man ohne weiteres Stunden einplanen, wir waren schwer beeindruckt von der Größe der Gebäude, die man sich aus den Resten erschließen kann. Die müssen ein sauberes und unterhaltungsorientiertes Volk gewesen sein, die Römer.

Caracalla-Thermen

Vorbei am Obelisken, noch immer eingerüstet wegen des Blitzschlags, kam nun auch Tim in den Genuß des Circus Maximus. Im Gegensatz zu seiner Schwester im Jahr zuvor zeigte er allerdings keinerlei Neigung zu irgendwelchen Extratouren auf den Spuren edler Rösser.

Dafür traute er sich aber, die Hand in die "Bocca della Verita" zu stecken, allerdings nun nicht, auch noch eine Unwahrheit auszusprechen. Das mühlradgroße Steingesicht bei der kleinen, erfrischend schmucklosen Kirche war diesmal frei, nur für uns.

Bocca della Verita

Über die Tiberinsel setzten wir nun über nach Trastevere um dort zu essen. Zunächst benötigten wir aber dringend Wasser, da wir mit unseren Jacken mittlerweile etwas overdressed waren. Einmal mehr kamen uns die zahlreichen Brunnen zur Hilfe, die man immer dann nicht findet, wenn man sie dringend braucht. Wenn man den Auslauf zuhält, spritzt Wasser nach oben, einem direkt in den Mund. Die Jacken verschwanden irgendwann im Rucksack.

Wappen von Trastevere auf einer Mülltonne  Trinkwasser

Erfrischt vom kühlen Naß steuerten wir nun die nächste tavola calda an, futterten pizza a taglio, marschierten ein Stück weiter und probierten die nächste Küche. Freunde, war das lecker! Nebenbei wurden wir (nun gut, ich, Tim ist erst 10) dort noch mit dem Anblick einiger fast noch jugendfrei bekleideter junger Damen verwöhnt. Appetitlich wie die Pizza, welch ein Kontrast zu den Punkern des Vorjahrs!

Gut gesättigt besuchten wir nun die Piazza Farnese und die Piazza Campo dei Fiori auf der anderen Tiberseite. Mittags auf der Piazza Campo dei Fiori aufzutauchen, zum Ende des Marktes, ist keine gute Idee, wenn man zuvor gut gegessen hat. Der Geruch dort ist dann, vornehm ausgedrückt, ein wenig penetrant und einer guten Verdauung nicht unbedingt förderlich. Eigentlich wollte ich ja auch nur Giordano Bruno sehen, wie er vom Platz seiner Verbrennung anklagend in Richtung Vatikan schaut.

Giordano Bruno - Piazza Campo dei Fiori

Wir gingen nun weiter zur Engelsburg (Castel Sant'Angelo), heute sollte sie geöffnet sein. In der Tat war sie es auch, allerdings muß man sich bewußt sein, was man da betritt: ein Museum ohne rechte Konzeption, das zuvor Festung war, ursprünglich sogar ein Grabhügel. Dementsprechend findet man, nachdem man seinen Obulus entrichtet hat und einmal außenherum geschritten ist, eine kunterbunte Sammlung von Austellungsstücken, von der Kanone über einen Thronsaal bis zur Bildergalerie. Burgfeeling kommt spätestens beim Betreten der Innenanlage auf, man muß einen langen höhlenartigen Gang hinter sich bringen, bevor man das eigentliche Museum erreicht. In den inneren Außenanlagen rennen leider die meisten Besucher an den Modellen vorbei, die die Entwicklung der Anlage darstellen.

Blick auf Rom von Engelsburg

Wenn man den Weg zum Dach gefunden hat, kann man den Blick über die Stadt genießen. Alternativ könnte man einen Cappuccino im "bordeigenen" Cafe zu sich nehmen oder versuchen, weitere Räume aufzufinden, die einem auf dem Hinweg entgangen sind. Wenn man mit zehnjährigen Jungen unterwegs ist, wird man allerdings längere Zeit bei den Geschützen mit großen Munitionshaufen und der Kanonenwerkstatt verbringen.

Engel der Engelsburg  Kanonen und Kanonenkugel in der Engelsburg

Wer sich mal in die Gegend verirrt, dem empfehle ich die grüne Oase rundum, zur Entspannung mit einem guten Buch - ohne Kinder. Vom Dach aus kommt die ursprüngliche Konzeption des Parks als Festungsanlage gut rüber, von unten sieht man es kaum. Kastell und Park - locker kann man damit einen ganzen Tag rumbringen.

Da wir beide noch gut zu Fuß waren, marschierten wir weiter den Lungotevere Vaticano entlang zu Ara Pacis, die aber, welch Enttäuschung, immer noch Baustelle war. Das Augustusmausoleum war dagegen dieses Mal ohne Absperrung frei zugänglich, aber sehr verwildert und sah mehr aus wie ein Treffpunkt der örtlichen Junkies.

Strassenschild  Augustusmausoleum

Das Kontrastprogramm dazu bot der Corso - lauter so schöne Leute. Auf der Piazza del Popolo kehrte wieder Ruhe ein, wir bewunderten die Strenge der Architektur und die Stringenz der Stadtplanung. Freier Blick in die Ferne durch die Straßentäler der Corso, Ripetta und Babuino, erholsam für die Augen, nachdem sie sich den ganzen Tag durch ungeplant gewachsene Strukturen "gearbeitet" haben. Von hier führt die Metro bequem zurück nach Termini, der Park der Villa Borghese auf dem Pincio scheiterte am vehementen Einspruch des Nachwuchses.

Piazza del Popolo

Nach gutem Essen gegenüber, diesmal von "El Condor Pasa"-Verschnitt begleitet, haben wir nur noch einen kürzeren Nachtausflug zur englischen Botschaft an der Porta Pia gemacht. Moderne Architektur im großen Park, an der Front quasi schwimmend - sehenswert


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