Bandiera
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Reisebericht Rom September 2002


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Ab ins Ausland!

Nachdem wir gestern viel gelaufen waren und dabei von der Antike bis zur Gegenwart viel gesehen hatten, sollte es nun zunächst mit der Straßenbahn ins Ausland gehen, Stadtrundfahrt inbegriffen. Den Pilgerbus 64 wollten wir uns ersparen, da in allen Reiseführern vor Taschendieben gewarnt wurde. Es wird dort wirklich geklaut, Freunde haben es ausprobiert. Aber - am Bahnhof war weit und breit keine Tram zu sehen. Egal, die Ersatzbusse für die Linien 5 und 14 gingen genauso zur Porta Maggiore. Dort verkehrte nach langem Warten die Tram (19, Haltestelle in der Seitenstraße), wir gedachten jetzt gemütlich unsere Rundreise zum Vatikan fortzusetzen.

Zwei Haltestellen später waren wir wieder draußen. Die Tram war sehr voll und wir hatten das Vergnügen, neben einem Individuum zu stehen, das Wasser wohl nur vom Trinken kannte. Das hätten wir keinesfalls länger ausgehalten! An diesem Tage war aber wirklich der Wurm im Tramfahrplan, es kamen nur noch Züge der Linie 3, die bereits an der Piazzale Thorwaldsen wendeten. Besser als nichts, fuhren wir also weiter mit der 3.

An "Thorwaldsen" war nun wirklich Schluß, es kam keine 19 mehr, die Tickets liefen ab. Als irgendwann ein echtes Museumsstück angeschnauft kam, fuhren wir trotz Tims Angst vor einer Kontrolle doch noch glücklich mit den bereits abgelaufenen Tickets bis zu unserer Endhaltestelle.

Von der Piazza del Risorgimento zum Petersplatz ist es nur ein Katzensprung, beiderseits des Wegs mit prallem Leben illustriert. Kitsch as Kitsch can, Obst, "Bedarfsartikel des täglichen Lebens", Reisezubehör: eigentlich alles, vom Mönch in der Kutte über ausländische Ordensschwestern bis zu ganz gewöhnlichen Touristen beäugt, untersucht und gekauft. Hier geht es zu, wie in Pisa neben dem schiefen Turm!

Petersplatz  Petersdom

Wenn man diese Konsummeile hinter sich gebracht hat, kann man kaum noch andachtsvoll auf den Petersplatz treten. Läßt man allerdings das Ensemble rings um den Platz auf sich wirken, sind solche Gedanken schnell vergessen. Der Zutritt zum Petersdom war nur noch nach Personenkontrollen wie am Flughafen möglich. Wenn man das Piepsen der Metalldetektoren plausibel erklärt, wird allerdings nicht nachgesehen, auch der Rucksack nicht kontrolliert. Mit 10 Jahren kann man ob dieser nur simulierten Kontrollen dann schon interessante Gedankengänge rund um den 11. September entwickeln...

Um beim Thema zu bleiben, haben wir uns dann im Petersdom vor allem für die reichlich zur Schau gestellten Toten interessiert. Der einbalsamierte Papst Johannes XXIII., immerhin schon fast 40 Jahre tot, war wachsgleich hinter Glas aufgebahrt und roch, man verzeihe mir diese Formulierung, wirklich nicht gesund.

Johannes XXIII

Auf dem Weg zur Schatzkammer war die in Marmor geschlagene Liste aller offiziellen Päpste anzusehen, wir sind für Johannes Paul II. auf den 148. gekommen. Glücklicherweise muß man diese wenigstens im evangelischen Religionsunterricht nicht auswendig lernen! Aber für eine der derzeit so beliebten Ratesendungen gäbe das reichlich Stoff ab.

Vielen der Namen begegnet man dann in der Krypta wieder, wo Sarkophage von ganz früh bis in die Neuzeit besehen werden dürfen. Wenn man das alles Revue passieren läßt und noch die jüngst in Kaufbeuren bestaunten Feierlichkeiten in Sachen heilige Creszentia einbezieht, kommt man eigentlich zwangsweise zum Schluß, daß es sich bei der katholischen Kirche um einen rückwärts gewandten Totenkult handelt.

Wir wollten allerdings nun ganz vorwärts gewandt einen Blick auf die Stadt tun, natürlich von oben, von der Kuppel aus. Leider war die Schlange viel länger als wir zunächst annahmen, sie war nämlich mehrfach geteilt und wir hatten nur das Ende der letzten "Etappe" gesehen. So mußte ich ein weiteres Mal entsagen.

Zurück auf dem Petersplatz war nun die Post zu erledigen. Eingedenk der Tatsache, daß die Vatikanpost Postkarten bereits nach Deutschland befördert, bevor sie einen regulären italienischen Briefkasten überhaupt verlassen hätten, kamen wir nicht umhin, den Vatikanischen Staat durch den Kauf einiger kleiner gezackter Aufkleber zu unterstützen. Natürlich wollten wir von hier auch die interessanteren Briefmarken verschicken, ich geb's ja zu.

Am Eingang zum deutschen Friedhof mußten wir zur Kenntnis nehmen, daß er nur Vormittags geöffnet habe. Die Schweizergarde ist sehr freundlich und spricht (natürlich) auch deutsch.

Schweizergarde

Mit einem Münzhändler kamen wir ins Gespräch, der sehr temperamentvoll wurde, als wir das Thema Euromünzen ansprachen. Er wisse nicht, wo die geblieben seien, vermutlich auf dem Mond, zumindest die Preise seien danach, sogar er als Händler habe noch keine in Händen gehalten. OK, OK, war ja nur 'ne Frage!

Von öffentlichen Verkehrsmitteln für heute kuriert, steuerten wir nun per pedes die Altstadt an. Unser erstes Ziel war die Engelsburg (natürlich montags geschlossen), dann die Piazza Navona. Mit etwas leckerer Focaccia einen Sitzplatz gesucht und dann länger den Portraitmalern zugeschaut, so läßt es sich aushalten. Zu Tims großem Entzücken wurde gerade ein Brunnen von Kletterern gesäubert, die, ganz in seinem Sinne, erst einmal eine vernünftige Seilsicherung anbrachten.

Gemütlich bummelten wir dann weiter durch die Stadt, via Pantheon und Trevibrunnen zum Qurinalspalast. Auf dem Platz davor machten wir es uns wieder gemütlich, genossen noch einmal die Aussicht in Richtung Sonnenuntergang und wollten uns erneut laben, als wir von den Carabinieri hinter eine wie von Zaubererhand erschienen Absperrung verwiesen wurden. Wachwechsel war angesagt. Schneidig marschierten ein paar wenige Hanseln in bester Paradeuniform aus dem Palast und lösten die beiden Wachposten neben dem Tor ab. Das zahlreich an den Absperrungen erschienene Publikum spendete Beifall und war dennoch enttäuscht ob der Kürze der Prozedur. Passieren des Platzes war nun vorübergehend auf Nachfrage wieder gestattet, allerdings nur schönen Frauen, hatte man den Eindruck.

Nun löste sich das Rätsel: unter Marschmusik marschierte von unten eine Kompanie ablösender Heeressoldaten mit fähnchengeschmückten Lanzen heran und nahm Aufstellung. Hinzu stieß aus dem Palast die bisherige Wachkompanie: prächtigst dastehende Carabinieri mit blankem Säbel. Nun wurde der Wachwechsel zelebriert: die Kapelle intonierte die Nationalhymne, die mitgesungen wurde, irgendetwas wurde übergeben und die einen marschierten in den Palast, die anderen wieder weg. Sehr eindrucksvoll, sehr zackig, sehr pompös, aber dennoch einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht entbehrend: gegen die durch die Bank einen Kopf größeren, prachtvoll-bunten Carabinieri mit Säbel sahen die kleinen grünen Heeressoldaten mit ihren fähnchengeschmückten Lanzen aus wie das Fähnlein Fieselschweif aus den Comics meiner Jugend.

Wachwechsel auf dem Quirinal  Wachwechsel auf dem Quirinal

Von diesem militärischen Zeremoniell erholten wir uns in einem der Parks, ein Stückchen weiter rauf die Via del Quirinale. Auf dem Heimweg besuchten wir noch die internationale Buchhandlung Feltrinelli, angenehm klimatisiert und sehr umfangreich bestückt. Ein langer Abend im Restaurant gegenüber schloß den Tag ab.


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