Bandiera
Bandiera
 


Reisebericht Rom September 2002


[HOME] [IMPRESSUM] [REISEBERICHTE] [ROM 2001]  •  [SEITE 1] [SEITE 2] [SEITE 3] [SEITE 4] [SEITE 5] [SEITE 6]

Reisevorbereitungen

Aus der Erfahrungen des Vorjahres klüger geworden, haben wir diesmal rechtzeitig (Monate vorher) ein schönes Hotel mitten in Rom gesucht. Es sollte wieder zentral sein, in Bahnhofsnähe oder in der Altstadt gelegen. Trotzdem war das Hotel, in dem wir letztes Jahr gewohnt haben, schon ausgebucht. So ging der Streifzug ins Internet, dort gibt es ja reichlich Auswahl. Sogar eine Anfrage bei einem Kloster war erfolgreich, allerdings fiel mir ein Bericht im Internet auf, wo von abseitiger Lage hinter dem Vatikan und lauter Durchgangsstraße die Rede war. Außerdem weigerte sich Tim (10), ins Kloster zu gehen, auch wenn es nicht für immer sein sollte.

Also buchten wir dann per email direkt bei Planet 29, hinter den Diokletiansthermen gelegen, unweit des Bahnhofs Termini. Die waren letztes Jahr bereits ausgebucht, so kehrt es sich halt manchmal um.

Der Fahrkartenkauf am Buchloer Bahnschalter für einen Erwachsenen und ein Kind gestaltete sich dann wieder sehr interessant, die Computerisierung der Fahrkartenschalter scheint immer noch sehr in den Kinderschuhen zu stecken. Das war aufwendiger als die Hotelbuchung, vielleicht sollte ich das das nächste Mal auch per Internet probieren. Auch glaube ich bis heute nicht, daß die 280 Euro für uns beide hin und zurück wirklich das günstigste Angebot waren. Bei der neuen Preispolitik der Bahn ab 2003 wird das Chaos am Schalter wohl noch größer. Aber vermutlich ist Fliegen dann ohnehin billiger, weit fehlt es nicht mehr bis dahin.

Die Anreise

Auch diesmal fuhren wir in einem italienischen Zug, also eine "carozza" mit Klimaanlage, aber ohne eigenen Zugriff auf Frischluft. Die beiden Mitfahrer wollten auch nur bis Innsbruck bzw. Franzensfeste, so hatten wir dann das Abteil ab Mitternacht für uns allein.

Dennoch war der Zug eigentlich voll, nebenan saß eine Mutter mit zwei Kleinkindern, die komplett mit Kinderwagen, Roller und Bobbycar nach Neapel wollten. Da war nicht nur dieses Abteil gut gefüllt, sondern auch der Gang - störte uns nicht, wir wollten erst in Rom wandern gehen.

Da mit zugezogenen Vorhängen die Tickets nach dem Brenner nicht mehr kontrolliert wurden (erst wieder kurz vor Rom), konnten wir recht gut schlafen. Sogar die Toiletten waren am Morgen noch benutzbar. Hey, endlich mal eine angenehme Zugfahrt!

Ankunft am Sonntag

Die Fahrt war sogar so angenehm, daß ich Florenz und die anderen klingenden Namen wie Orvieto und Lago Trasimeno glatt verschlafen habe. Vielleicht lag das auch daran, daß zumindest ab dem Morgengrauen dichter Nebel lag, bis kurz vor Rom.

Die Vorfreude auf Rom überdeckt bei der Einfahrt glatt die dargebotenen Häßlichkeiten entlang der Strecke. Schöne Namen wie "Tiburtina" täuschen sehr über die wahren Verhältnisse vor den Fenstern hinweg.

Wir kamen früh an und marschierten die drei Minuten zum Hotel. Dort konnten wir wie abgesprochen das Gepäck abstellen (das Zimmer war bereits kurz darauf fertig) und dann Frühstücken gehen. Die Sonne schien und es war bereits am Morgen schon schön warm, wie es sich jawohl auch gehört, wenn wir uns auf eine solch weite und beschwerliche Reise machen. Loredana (vom Hotel) empfahl uns eine Bar gleich nebenan, eine weitere ist um die Ecke.

Endlich wieder italienisches Frühstück! Zweimal Cappuccino, Tim ist ja schließlich schon groß, dazu ein paar Hörnchen (Brioche con crema, cioccolato, marmelata, was es halt gerade gibt) im Stehen genossen, gesessen sind wir erst einmal genug und wir wollen hier ja nicht den Tag verbringen. Dazu die Atmosphäre der Bar, das Treiben vor der Tür - das Gefühl ist nur mit "Willkommen zu Hause" angemessen beschrieben.

Nun konnten wir uns im Hotel bereits frisch machen und uns in bequemes Laufschuhwerk begeben. Zu Tims nicht geringem Entsetzen hatten wir keine Glotze im Zimmer, eigentlich haben wir sie dann aber auch nicht vermißt. Ich wollte mich bewußt auch von gedruckten Nachrichten fernhalten, da ich das Gejammere um den 11. September nicht mehr hören konnte. Offenbar hatten die Medien sonst nichts mehr zu berichten.

So gestärkt machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Diese Reise sollte ein wenig unter dem Motto "die alten Römer" stehen, ohne deswegen die anderen Sehenwürdigkeiten außer Acht zu lassen. Lediglich viele der Museen müssen noch warten, bis die Kinder größer sind, oder ich mich einmal allein auf den Weg machen kann.

Also marschierten wir mal los und sahen uns am Weg zunächst die Kirchen Santa Maria Maggiore und San Prassede an. Hier gab es auch einige Papstgräber zu bewundern, später haben wir dann gehört, daß einige Päpste zunächst in den Katakomben und dann in diesen Kirchen beerdigt wurden. Im Laufe der Zeit wurden sie dann als Reliquien auf andere Kirchen in Rom verteilt.

San Prassede

Nun gingen wir über den Esquilin, durch den Park mit den Ruinen der Trajansthermen, zum Kolosseum. Diesen schönen Weg hatte ich mit Anke im Vorjahr ja bereits ausgekundschaftet. Tim war von der Größe des Kolosseums angemessen beeindruckt, mehr allerdings noch von den "echt antiken" Römern, die sich in Rüstung mit Schwert gegen Geld fotografieren lassen. Die Wartezeit am Eingang wollte er nicht investieren, ich hatte das Innenleben schon gesehen, so ging es dann bald weiter ins Forum Romanum mit seinen schier unendlich vielen Ruinen.

Forum  Forum

Forum

Wir wollten beim ersten Mal zunächst mehr eine Übersicht erhalten und nicht gleich alle Steine persönlich kennenlernen. So erklommen wir nach einer gemütlichen Durchquerung mit gelegentlichem Blick in den Reisefüherer ("Wo hat Cäsar seine Reden gehalten?") die Treppe zum Kapitol und sahen noch einmal zurück. Aus der Vogelperspektive kann man zumindest teilweise die Größe und Komplexität des Geländes erahnen. Nette kleine Bildbände mit Foliendarstellungen zeigen den Kontrast zwischen damals und heute. Sehr schade, daß auch dieses Gelände in der Vergangenheit so intensiv als Steinbruch genutzt wurde.

Oben auf der Piazza Campidoglio ist der goldene Reiter (Marc Aurel) natürlich ein Blickfang, insbesondere wenn man gerade die "Neue deutsche Welle" entdeckt hat. Wenn man ein italienisches 50-Cent-Stück zur Hand hat, erkennt man diesen Platz mit seinem Fußbodenmuster wieder. Die Kapitolinischen Museen zeigen laut Führer im Book-shop leider keine für Kinder interessanten Fundstücke aus römischen Zeiten, so habe ich sie mir erneut für später aufgehoben. Diese Entscheidung fiel mir ob des gesalzenen Eintrittspreises umso leichter.

Piazza Campidoglio- Marc Aurel

Nun gingen wir die große Freitreppe hinunter zur Piazza Venezia um die benachbarte Freitreppe zur Kirche Ara coeli wieder hinaufzusteigen. Dort war gerade Gottesdienst (trotz Sonntag allerdings weniger Gläubige als andere Besucher) und zur Orgel erklang wunderschöner Gesang. Ein Genuß, hier eine ausgebildete Stimme in mal ganz anderer Literatur zu hören. Wenn ich da an die Gottesdienste bei uns denke, die ich als Kindergartenvater genießen durfte! Natürlich sah Herr Sohn Kunstbanause das anders, die Zeit war viel zu kurz.

Nun gingen wir die große Freitreppe hinunter zur Piazza Venezia um die benachbarten Freitreppen zum Vittoriano wieder hinaufzusteigen. Fällt Ihnen etwas auf? Ja, drei wirklich hohe Treppen direkt nebeneinander. Natürlich gibt es oben eine Querverbindung zwischen Kapitol und Ara coeli, aber die ist nicht passierbar. Wer also einmal etwas Sport braucht, findet hier ideale Trainingsmöglichkeiten.

Vom Vittoriano aus hat man einen schönen Überblick über die Stadt. Anke wollte letztes Jahr nicht hinauf, diesmal habe ich Tim nicht gefragt. Unten im Sockel sind ein Museum und öffentliche Internetzugänge. Man wird freundlich, allerdings sehr bestimmt, darauf hingewiesen, daß nur die Homepage der Stadt Rom zum Surfen geeignet sei, wenn man versucht zu weiteren Informationen zu gelangen. Zu dem Museum hatten wir zunächst noch keine Lust, später haben wir tatsächlich vergessen, es nochmals aufzusuchen. Rom wird ja hoffentlich noch etwas länger stehen.

Von hier aus marschierten wir nun den Corso hoch, zur Piazza Colonna mit einer der vielen römischen Säulen. Wieder habe ich es nicht geschafft, die Säule zu "lesen", die Feinheiten wer da gerade gegen wen Krieg führt, erschließen sich auch mit Reiseführer für mich nicht.

Piazza Colonna  Spanische Treppe

Jetzt wollte Tim die spanische Treppe sehen. Ich hatte ihm daheim aufgegeben, sich in der Literatur interessante Ziele in Rom herauszusuchen und die wollte er jetzt natürlich besuchen. Der schöne Blumenschmuck des Reiseführerfotos fehlte hier allerdings, dafür sind die Baustellen mit größten Transparenten verhängt. Oben angekommen besuchten wir noch die Kirche Trinita dei Monti und ihren Kreuzgang. Hier sollte man Französisch können! Via Tritonsbrunnen ging es dann zurück in Richtung Hotel. An einem der zahlreichen Melonenstände kauften wir uns dann große Stücke Wassermelone, die löschen noch wesentlich besser den Durst als das angenehm kühle Wasser aus eine der zahlreichen Brunnen.

Gegenüber unseres Hotels liegt die Pizzeria "La famiglia". Dort kann man ganz gut und zu angemessenen Preisen speisen und keineswegs nur Pizza. Man ist allerdings auch bei mehren Gängen recht schnell fertig, da wegen des hohen Andrangs flott serviert wird. Wer also einen ganzen langen Abend mit Essen verbringen will, muß schon das unwahrscheinliche Glück mitbringen, daß das Lokal leer ist. Wegen des leckeren Essens und der für uns idealen Lage sind wir jeden Abend hier gewesen - und es war immer voll. Dank der schmalen, vergleichsweise sehr ruhigen Via Gaeta kann man gut auch draußen sitzen.

An diesem warmen Abend saßen die Ausländer (vorwiegend Amerikaner und Deutschsprachige) draußen im Freien, die Italiener drinnen im klimatisierten Bereich. So unterschiedlich sind die Empfindungen! Vielleicht wußten die Einheimischen ja auch nur, daß draußen noch ein Stehgeiger erwartet wurde... Nach dem Essen sind wir um 10 noch mit der Straßenbahn zum Kolosseum gefahren, es erscheint in der nächtlichen Beleuchtung noch mystischer als tagsüber. Überhaupt sehe ich gerne Städte bei Nacht, Anke war mir letztes Jahr aber noch zu klein für die nähere Umgebung des damaligen Hotels. Der Kick bei dieser Tour war wieder einmal, an der Porta Maggiore (mit der 14 oder 5 ab Termini) eine Haltestelle zu finden, diesmal sogar im Dunklen. Wir brauchten die Linie 3 Richtung Trastevere, sogar der Aufseher schickte uns erst einmal in die falsche Richtung. Vielleicht kann man diesen Straßenbahnknotenpunkt verstehen, wenn man ihn aus der Vogelperspektive betrachtet, uns ist es jedenfalls nicht gelungen. Die Linie 3 hieß letztes Mal noch 30 oder 30B, da gehen mittlerweile selbst die Beschriftungen der Pläne in den Bahnen durcheinander.

Wir hätten es natürlich mit der Metro (U-Bahn) einfacher haben können, aber da sieht man ja nichts von der Stadt und wir wären bald wieder im Hotel gewesen. Der Weg ist das Ziel, sagt man so schön.


[SEITE 1] [SEITE 2] [SEITE 3] [SEITE 4] [SEITE 5] [SEITE 6]

Literaturempfehlungen für Rom / Latium
Copyright © 1999-2010 www.italianita.de - Dr. Ulrich Hondelmann