Bandiera
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Reisebericht Rom Mai 2001


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Eine wirklich große Runde

Kleine Mädchen halten doch mehr aus, als man erwartet, so daß Anke putzmunter frühstücken wollte. "Ohne Frühstück" hatten wir leider nicht buchen können, also probierten wir den Frühstücksraum mal aus. Es gab dort aufmerksamen Service fürs Kind, sogar die italienische Nutellavariante war geboten und kam gut an.

Danach zogen wir also wieder los, bei strahlendem Wetter, durch den Park zum Kolosseum, um dort ein altes Römerspiel auf dem Pflaster zu spielen: Tic Tac Toe - wer kann zuerst 3 Steine bzw. Stöckchen in eine Reihe legen? Wir zieren jetzt die Fotoalben einiger japanischer Familien.

Die "echt römischen" Soldaten in voller Prachtuniform mit Helmbusch und Schwert waren auch immer wieder interessant. Leider konnte der große Bruder nicht dabei sein, ihn hätte das bestimmt auch fasziniert.



Jetzt war keine Schlange mehr am Eingang des Kolosseums. 10000 Lire sind nicht wenig, aber das Innenleben ist durchaus sehenswert. Da sogar Teile des Bodens, wenn auch aus Holz, wieder hergestellt wurden, kann man sich so richtig ausmalen, wie Asterix mit den Gladiatoren gerungen haben mag, wenn er nicht gerade wilde Tiere ins Publikum schleuderte.

  

Von dort ging es weiter, vorbei an den Ruinen auf dem Palatin, über den Circus Maximus, wo pferdebegeisterte junge Damen natürlich ein paar kleine Runden galoppieren müssen, zum Tiber.

Erstaunlich daß der Circus Maximus, diese wirklich große Freifläche mitten in der Stadt, noch keiner Bauspekulation zum Opfer gefallen ist. Der Palatin mit seinen mächtigen Bauwerken ist ebenfalls sehr imposant. Man mag es kaum fassen, daß bereits vor 2000 Jahren solch gewaltige Gebäude möglich waren und diese tatsächlich bis heute in großen Teilen erhalten sind, obwohl sie ja nicht massiv sind, wie etwa die Pyramiden.



Der Weg führte vorbei an Santa Maria in Cosmedin mit der "Bocca della Verita", einem riesigen Steingesicht mit offenem Mund. Leider konnten wir nicht überprüfen, ob er einem bei einer Lüge wirklich die Hand abbeißt, da wir einen Bus voller fotografierender Japaner nicht abwarten wollten.

Auf der anderen Seite des Tiber liegt Trastevere. Hier werden die Gassen enger, die Atmosphäre pittoresk. Aus irgendeinem Grunde schienen die deutschen Punker hier eine Vollversammlung abzuhalten, mit roter Irokesenfrisur, Ratten, Leder und allen Schikanen. Eine direkte Verschönerung des Ambientes war das nicht, aber für Landeier wie uns auch interessant.

Hier erhielten wir auch die bisher beste "auf-die-Hand-Pizza" in einer Tavola calda. Anke wollte lieber Focaccia, sollte mir recht sein, dann klebt sie hinterher weniger. Von da ab bestand sie auf Focaccia, "ich nehm notfalls auch eine ohne Nägel". Dabei rundet der Rosmarin den Geschmack doch erst wirklich ab. Im allgemeinen läuft diese kleine Mahlzeit hier unter "pizza bianca", aber schmecken tut sie fast überall.

Langsam wurde es heiß, das Essen war salzig und irgendwie kein Kinderbenzin (Cola) aufzutreiben. Aber halt, es hat fast an jeder Straßenecke einen Trinkwasserbrunnen, aus dem das erfrischende Naß teilweise überreichlich strömt. Erstaunlich, daß so viele Touris sich teuerste Mineralwasserflaschen kaufen.

Auch in Trastevere gibt es wieder viele schöne Türen und Fenster zu bestaunen. In die wirklich schönen Innenhöfe kann man dagegen nur in Ausnahmefällen hineinsehen.

Von Trastevere ging es (natürlich weiter zu Fuß) unter schattenspendenden Bäumen auf den Gianicolo, einen der viel zu vielen Hügel. Dort oben ist ein Park, der einen wunderbaren Blick auf Rom gestattet. Selbstverfreilich gab es ein Spieleland für die lieben Kleinen, das ebenso selbstverfreilich Eintritt kostete. Aber Brotzeit im Park bei dieser Aussicht auf die Stadt ist auch für den Papa ein Genuß. Anke durfte solange auf der Hüpfburg toben, bis ihre Nummer ausgerufen wurde, als Signal dafür, dass die bezahlte Zeit abgelaufen ist.

Vom Gianicolo konnten wir dann bequem bergab ins Ausland wandern, auch wenn die Grenze (zum Vatikan) eigentlich nicht sichtbar ist. Wenn man davorsteht, sieht der Petersdom aus wie ein Schuhkarton mit Säulen und einer Kuppel. So traf er gar nicht Ankes Erwartungen von der (zweit-)größten Kirche der Welt. Von der inneren Größe waren wir dann aber doch sehr beeindruckt. Natürlich haben wir uns die wichtigsten Reiseführer-Sehenswürdigkeiten angesehen. Irgendwie hatten wir auch einen günstigen Termin erwischt, es war alles leer. Dummerweise traf das auch für das Postamt zu, denn das hatte Feiertags natürlich zu.

  

Aha, die Leute standen alle vor der Treppe zur Kuppel an! Deswegen war der Rest so leer. Als nicht-Briten fanden wir das Schlange stehen nicht so prickelnd , dafür besuchten wir dann die Schatzkammer. Leider war die auch nicht wirklich auf die Interessen einer 5jährigen abgestimmt. Es war zwar alles kostbar, teilweise auch interessant, aber halt nicht das, was sich ein Kind so unter "Schatz" vorstellt.

Ich hatte mal von der Aufregung mit dem McD direkt an der Spanischen Treppe gehört, da muß es also was zum Futtern geben. So kann man Kinder und Väter glücklich machen, dachte ich. Marschierten wir also durch die Altstadt auf die andere Seite des Tiber. Die Via Condotti war gesteckt voll mit shoppenden Damen "Mein Mann hat mir nur ein Teil erlaubt, wieviel darfst du?", die Markenzeichen bewehrten Tüten schwenkend. Das Caffe Greco war so voll, daß man nicht hineinkam. Die Spanische Treppe wurde ebenfalls derartig belagert, daß kaum ein Durchkommen war. Ich würde aber mich wieder raufarbeiten, die Aussicht hat etwas.



Der McD ist inzwischen leider ein Stückchen rauf den Corso, wir haben ihn an diesem Tag nicht gefunden. Töchterchen bestand jetzt aber auf einer anständigen Mahlzeit, so mußte sie mit mir durch die halbe Stadt zum Pantheon schlappen. Nun ist es ja nicht so, daß es auf dem Weg nichts zu sehen gäbe, aber hungrige Kinder sind keine wirklich guten Reisebegleiter. Nach der rundum gesunden Mahlzeit auf der Piazza della Rotonda waren wir aber beide mit der Welt wieder ausgesöhnt und hatten Muße, die Mondsichel in der Öffnung des Pantheons zu bewundern. Das Foto ist leider nicht gelungen, also bitte selbst nachsehen fahren!

Bevor es ganz dunkel wurde, wollte ich meine Tochter aber doch durchs Bahnhofsviertel ins Hotel geschleift haben, das Publikum war dann in der Umgebung des Hotels nicht mehr ganz so vertrauenswürdig. Außerdem waren wir, zumindest nach Gefühl, heute mindestens hundert Kilometer gelaufen.

Apropos "schleifen", irgendwann mußte ich sie dann tragen. Aber auch dabei kann man Spaß haben, zumindest als Reiter. Daß Pferde an den Ohren gelenkt werden, war mir bis dato neu, aber vielleicht gilt das ja mehr für Esel.


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