Bandiera
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Reisebericht Rom Mai 2001


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Wie komme ich an ein Quartier?

Doch schon drei Wochen vor dem geplanten Reisebeginn wollte ich mich um eine Unterkunft kümmern. Bekannte hatten mir ein schönes Hotel mitten in Rom ans Herz gelegt - natürlich war das bereits voll belegt.

Also ab ins Reisebüro. Meine nette Betreuerin hatte sich leider in den Mutterschutz empfohlen und der Nachfolger hatte keinen Plan. Also ein anderes Reisebüro gesucht. Dort wurde ich richtig gut beraten: das sei doch gar kein Problem. Nun ja, nach einer halben Stunde hieß es dann: "Kommen Sie doch heute Abend nochmal vorbei, dann sehen wir uns die Hotels an".

Abends konnte ich dann zwischen zwei Hotels mit je 2500,- DM pro Woche wählen. Auf meinem vorsichtigen Einwand, daß ich eigentlich nichts gleich käuflich erwerben wolle, betrachteten wir das Thema als beendet.

Wozu betreibe ich eigentlich eine Website über Italien? Die eigene Hotelseite ist doch so schlecht nicht. Bei venere.it wurde ich fündig, das Hotel Giorgina liegt in Bahnhofsnähe, also praktisch und ist nicht zuu teuer.

Nun noch Fahrkarten gekauft und Sitzplätze reserviert (Merke: der Liegewagen macht in Deutschland auch aus kleinen Kindern zahlende Fahrgäste) - Rom, wir kommen!

Die Anreise

Mit dem Zug von München nach Rom zu reisen ist schon ein kleines Abenteuer für sich.

Von einigen Leuten gewarnt "meiner Tochter ist neulich auf der Klassenfahrt der Geldbeutel entwendet worden - und die waren zu sechst in einem Abteil" trafen wir (Anke, 5, und der Papa) auf ein Abteil, daß einen richtig heimeligen Plastikmief verbreitete - noch dazu den von angesengtem Plastik. Und bei Waggons mit Klimaanlage gehen natürlich die Fenster nicht auf...

Dafür war der Zug leer. Allerdings füllte er sich dann recht schnell mit einer bunten Mischung: vom italienischen Baby, das die halbe Nacht heulte, bis zum deutschen Kulturreisendenrentnerpaar mit Spazierstock, Baedeker und aufklappbarer Übersonnenbrille.

Auch die Birkenstockfraktion stieg zu, dennoch blieben wir bis Verona zu zweit im Abteil. So hätten wir eigentlich schön schlafen können, aber nein, jeder Schaffner, Grenzer oder wie auch immer, riß die Tür auf, machte das Licht an und verhielt sich auch sonst nicht gerade leise. Nur eine Schaffnerin sah das schlafende Kind, machte erschrocken das Licht wieder aus und bat gedämpften Tones um die Fahrkarten.

Warum muß eigentlich nach jedem Bahnhof mitten in der Nacht der ganze Zug kontrolliert werden? Um die drei Einsteiger zu finden?

Daß die Toiletten am Morgen jeder Beschreibung spotteten, muß ich nicht extra erwähnen (ich tu's aber trotzdem), was den Reiz der Reise mit der kleinen Tochter noch deutlich erhöht. Nur noch eines: Klassenfahrten sollte man verbieten!

Immerhin war die Verkehrssprache im Zug ab Bahnsteigkante München Italienisch - so stellt sich erhöhte Vorfreude ein.

Ankunft am Morgen

Muß eigentlich jede Stadt so schrecklich aussehen, wenn man sie vom Zug aus sieht? Leider ist da auch Rom keine Ausnahme, im Gegenteil.

Dafür war der Zug pünktlich um halb neun da, obwohl er in München mit einer halben Stunde Verspätung abgefahren war.

Vom Bahnhof zum Hotel war es nicht weit, einen Stadtplan hatten wir uns schon vorher besorgt.

Nun des Abenteuers zweiter Teil: das Hotel war per Internet gebucht - hat das wirklich geklappt?

Mit der 5jährigen Blondine an der Hand war ich guten Mutes, im Katastrophenfall sollte sie herzzerreißend weinen und so doch noch für ein Zimmer sorgen. Aber das war nicht nötig, das Zimmer tatsächlich reserviert, aber leider erst ab Mittag zugänglich. Wir konnten unser Gepäck dalassen und zu einem ersten Streifzug aufbrechen.

Die erste Runde

Vom Gepäck befreit suchten wir uns zunächst eine Bar, schließlich hatten wir noch nicht gefrühstückt. Cola für Anke, Cappuccino für den Papa (eine oft erprobte Kombination), dazu ein paar Hörnchen in der Sonne. Dies bei 25° und am Nabel der Welt - es fehlt nicht viel zum Glück.

Auch mit 5 Jahren kann man durchaus den Umgang mit einem Telefonino erlernen, so durfte Anke per SMS die heile Ankunft vermelden.

Danach schlenderten wir zur Kirche Santa Maria Maggiore (die weltweit einzige Kirche, in der seit dem 5 Jahrhundert täglich eine Messe gelesen wird) - man kann auf dem Platz herrlich Tauben scheuchen, während Papa das Treiben der Einheimischen und der Touristen beobachtet. So war uns beiden geholfen: Töchterchen konnte den Bewegungsdrang ausleben und der Papa sich noch etwas von der Nacht im Zug erholen.

Nun gingen wir weiter Richtung Stadtmitte: "Was ist das da für ein Riesenkasten?" Das Kolosseum trägt seinen Namen nicht von ungefähr, es ist sogar über die Bebauung hinweg zu erspähen. Also nix wie hin.



Man kommt sich vor wie eine Ameise, wimmeln tut es auch so wie bei einem Ameisenhaufen. Die Schlange am Eingang ist schon jetzt erschreckend.

Dann gingen wir nach einer Runde außenherum halt erst einmal ins Forum Romanum, nach Ankes Befürchtung ein "großer Haufen uninteressanter Steine".

  

So schlimm war's dann doch nicht. Eigentlich sogar interessant, wenn man erzählt bekommt, was da so alles mal stand. Lustig sind dagegen die amerikanischen Fremdenführer mit einer blühenden Fantasie und noch lauterer Stimme. Weniger lustig sind dagegen die gelangweilten Schülerhorden, die da durchgetrieben werden, den Blick versperren und eigentlich viel lieber etwas anderes täten.

Nun wollten wir aber doch zurück zum Hotel und erstmal einziehen. Der Hinweg an der großen Straße entlang war mit Kind weniger gemütlich, gibt es Alternativen? Siehe da, vom Kolosseum führte ein Park über den Esquilin vorbei am goldenen Palast des Nero (Domus aurea) den halben Weg zum Hotel. Das sollte unsere Standardstrecke werden.

Der Nachmittag

Bereits überwältigt vom Vormittag brachen wir wieder auf, Zielrichtung Qurinalspalast, dem Sitz des Staatspräsidenten.

Binnen kurzem ist dem Fußgänger klar, daß Rom tatsächlich auf Hügeln gebaut ist, sieben dürften kaum ausreichen. Wanderstiefel passen aber nun wirklich nicht zur römischen bellezza, "fare bella figura" erscheint wichtiger.

Zu unserer Enttäuschung war allerdings der Verkehr weder schlimmer noch chaotischer als in anderen größeren Städten auch. Sogar die Fahrer der zahllosen Motorini waren alle (!) behelmt. Allerdings trägt man in Rom einen Helm, der die Ohren freiläßt, damit man telefonieren kann.

Unterwegs fanden wir einen kleinen Park mit Spielplatz; im Nachhinein betrachtet haben wir davon nur zwei gesehen. Wo gehen die armen römischen Bambini hin?

Hier haben wir auch gelernt, daß man als Fußgänger gefahrlos die Straße überqueren kann, wenn man die Andeutung einer Lücke findet und dann unter Blickkontakt zum nächsten Fahrer deutlich losgeht. Beeilen sollte man sich aber dennoch dabei. Es ist auch nicht direkt etwas für ängstliche Naturen.

Und das geht sogar auf mehrspurigen Straßen! In Deutschland wären wir jetzt schon lange tot. Bei Motorini im Tiefflug ist allerdings Vorsicht angesagt, die leben nach dem Motto: "wer bremst, verliert".

Nun schlugen wir einen großen Bogen durch die Stadt über den Corso vorbei an der Piazza della Colonna mit der Säule, die spiralförmig von den Siegen des Marc Aurel berichtet, bis zur Piazza della Rotonda mit dem Pantheon und schon wurde es Abend.



Es galt dann noch etwas zu essen finden. Eigentlich wollte ich nie wieder in eine Touristenfalle, aber vornehm essen gehen und müde kleine Tochter sind nun auch nicht vereinbar. Danach ging es wieder ins Hotel, irgendwie war die letzte Nacht ja nicht wirklich erholsam.

Bei Chianti und richtig reifem Parmesan (Anke: "kann ich noch ein Stück haben, aber ohne Sand!") klang der Abend vor der Glotze aus: Popeye ist auch auf italienisch lustig.


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